OT: Arnauto-Wales 2:2

Wir haben ja wirklich ein merkwürdiges Nationalteam – und auch merkwürdige Reaktionen darauf. Erst mal war da die Qualifikation für die EURO 2016. 1 x und 9 Siege. Unser Schweizer Trainer Koller wird zum Nationalhelden – zum Liebling der Nation. Er formt ein starkes Team, das die Fans glücklich macht und beeindruckt. Vergessen sind die Zeiten, als wir uns mit Standfest & Aufhauser am Rande der irreregulären Lächerlichkeit bewegten. Zu einem guten Teil kamen diese Erfolge auch zustande, weil Marcel Koller an Spielern, die er schätzte einfach festhielt, obwohl deren Form oder Situation im Verein es ihm nicht immer leicht machte – siehe Janko, siehe Almer, siehe Arnautovic.

Europhorie drückt das Team nach Frankreich. Dort folgt ein bitterböser Absturz, der sich durch lausige Ergebnisse und Leistungen in Testspielen schon sachte angdeutet hatte. Und der neue Nationalheld trägt auch mit äußerst merkwürdigen Aufstellungen einen Gutteil dazu bei. Hinzukommen unfitte, nervöse Spieler und Spieler, die völlig außer Form sind und / oder bei ihren Vereinen ziemlich schwere Zeiten hatten. Alles in allem: ein deprimierende Großveranstaltung, die speziell für Österreich viele offene Fragen hinterlässt: Warum spielen Harnik und Janko eigentlich immer immer, auch wenn sie offensichtlich völlig außer Form sind? Warum hält Koller einen der weltbesten Linksverteidiger für einen Mittelfeldregisseur? Nur weil dieser sich das so sehr wünscht? Und warum spielt man bei der EURO nur 45 Minuten gut – und das dann in der Formation, die man sich gewünscht hat? Warum spielt unser formbester Kicker Schöpf immer nur für kurze Zeit – wobei er auch wenig überraschend unser einziges Tor in Frankreich erzielt?

Und wie es sich für Österreichs Fußballöffentlichkeit wohl gehört, mutierte Koller vom Nationalhelden zum Buhmann, die erfolgreiche Qualifikation wird sofort mit sauschwachen Russen und Schweden erklärt (die zuvor noch zu schwer bezwingbaren Hürden hochstilisiert wurden) – aber ja, nachdem man sie geschlagen hat, müssen sie wohl sehr schwach gewesen sein – und bei der EURO haben sie auch nicht viel gezeigt – so wie ungefähr 95% aller Teams bei dieser merkwürdigen EURO.

Nun geht es also in die WM-Qualifikation und die Erwartungen sind niedrig. Durch diverse Zeitungsforen  rollen Heerscharen von Volltrollen mit „Kollerraus!“ Posts. Aber dann gewinnt Österreich mühsam aber doch in Georgien – Pflichtsieg! Und nun also das Duell mit dem EURO Semifinalisten Wales und dem Überdrüberkicker Bale. Eine unlösbare Aufgabe. Man erwartet ein Debakel. Unsere Versagertruppe hat da nicht mal keine Chance.

Und das Ergebnis? Österreich ist gegen die Waliser die bessere Mannschaft, versaut sich einen Sieg allerdings durch eine unkonzentrierte Defensivleistung. Von der Supertruppe aus Wales ist nicht viel zu sehen. Bale fällt am meisten durch gefühlt stundenlanges Trockenwischen des Balls vor Einwürfen auf. Arnautovic macht zwei schöne Tore und ist über seine gesamte Einsatzzeit der beste Mann auf dem Feld. Alles in allem ein guter Auftritt gegen den „Gruppenfavoriten“. Haben wir nicht gegen Schweden mit Überdrüber Zlatan damals auch zuhause „nur“ 1:1 gespielt?

Ist Koller nun also wieder auf dem Weg zurück zum Nationalhelden? Man wird sehen. Ich denke, er ist einfach ein guter Trainer, der – wie seine Spieler leider auch –  bei der Europameisterschaft nicht seine besten Tage hat. Er ist sehr konsequent, manchmal auch sehr stur. Denn warum Sabitzer statt Schöpf spielt, versteht wohl nur er. Warum ein nicht fitter Janko – mit all seinen Verdiensten um das Team – eine Stammplatzgarantie hat, versteht wohl auch nur Koller. Ich denke, es wird eine gute und erfolgreiche Qualifikation und auch Koller wird langsam (für viele wohl zu langsam) einen vorsichtigen Umbau des Teams vornehmen. Schöpf, Schaub und Gregoritsch – vielleicht auch Grillitsch – werden langsam in das Team integriert – Spieler wie Harnik und Janko langsam rausrotiert werden. Und das ist gut so.

Eine Merkwürdigkeit wird wohl weiter bestehen bleiben. Denn obwohl wir einen der drei weltbesten Linksverteidiger in unseren Reihen haben, ist gerade die Position des linken Verteidigers nach dem Rücktritt von Fuchs eines der größten Probleme im Nationalteam. Wohl auch der Tatsache geschuldet, dass Alaba einer der besten und erfolgreichsten Fußballer ist, den Österreich in den letzten 30 Jahren hatte. Und wenn er sich als Mittelfeldspieler sieht, will Koller ihm dabei offensichtlich nicht im Wege stehen. Obwohl natürlich eine linke Seite mit Alaba und Arnautovic und ein Zentrum mit Schöpf, Junuzovic und Baumgartlinger schon auch seinen Reiz hätte.

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