Unangenehme Realitäten

Wenn man die Augen noch nicht ganz fest verschlossen hat, muss man sagen, dass Rapid Wien außerhalb des Kreises seiner Fans ganz armselig wahrgenommen wird. Und es gibt leider viele unangenehme Wahrheiten, an denen was dran ist. Gerade wenn man einen Umbruch und Neustart versuchen will (und das will die neue Führung ab Dezember ja dann hoffentlich auch endlich angehen) sollte man sich dieser Realitäten auch bewusst sein.

#Rapid ist sportlich sagenhaft erfolglos

Das ist wohl kein „Geheimnis“ und hier sind sich auch ausnahmsweise Rapidler und Nicht-Rapidler wirklich einig. Rapid spielt sportlich in Österreich schon lange überhaupt keine Rolle mehr. Und wenn man mal Vizemeister wurde, dann mit einem riesigen Abstand zu Red Bull Salzburg, so dass man sicher nie von einem knappen Ausgang sprechen konnte.

Rapid hatte auch einfach schon lange kein klares Konzept für den sportlichen Bereich mehr. Man holte Spieler und Trainer so aus der Tages- oder Marktlage heraus. Und dabei kam dann raus: Trainer, die nicht zum vorhandenen Kader passten. Und immer wieder Spieler, die zu so gut wie keinem Trainer passten. Egal ob man jetzt zu den „Pressern“ oder den „Ballbesitzern“ gehören wollte. Wenige gute Kicker wie Kühn, Grüll oder Burgstaller, die einfach meistens halbwegs gut funktionieren, sind die Ausnahme.

#Rapid will nicht lernen

Rapid Wien ist absolut lernresistent. Man ist ja DER REKORMEISTER und hat die MEISTEN FANS. Das muss doch reichen. Von Salzburg wollte man nie was lernen, weil dort der teuflische pöse pöse Kommerz daheim ist. Daher nahm man sich weder Spielstil noch Scouting als Vorbild. Alles pöse. Pfui. Wir sind ein Traditionsverein.

Doch auch von den anderen Herausforderern in Österreich wollte und will man offenbar nix lernen. Der LASK hatte vor wenigen Jahren eine wirklich gute Phase mit guten Trainern und klarer Spielphilosophie. Und daher führte man nach dem Grunddurchgang auch die Tabelle vor den „unschlagbaren“ Salzburgern an. Durch eigene Blödheit haben die Linzer das dann vergeigt. Aber die kluge Arbeit bis dahin – anscheinend kein Vorbild für Hütteldorf, was Kader, Scouting und Spielstil betrifft.

Oder aktuell Sturm Graz. Gerade eben eine holländische Spitzenmannschaft geschlagen und in der Tabelle daheim 2 Punkte hinter den „unschlagbaren“ Salzburgern, die man heuer auch schon geschlagen hat. Und dort jammert dann auch keiner von der Doppelbelastung. Man hat einfach ein klares Konzept und zieht es durch. Man holt die richtigen Spieler – und manche verkauft man dann auch für Unsummen weiter. Wir scheiden gegen den Letzten der zweiten Schweizer Liga aus, sind unteres Mittelmaß in der Liga und verschenken unsere Talente oder verscherbeln sie in Raten.

Von kleinen Vereinen, die in Deutschland gerade für Furore sorgen, will ich gar nicht reden. Union Berlin und der SC Freiburg haben nicht so viel Kohle, aber sie haben einfach einen Plan und sie haben Geduld. Sie holten für den jeweiligen Plan die richtigen Spieler und sind damit erfolgreich. Sie werden natürlich auch heuer nicht Meister werden. Aber statt den ganzen Tag über Vereine zu jammern, die so viel mehr Geld haben, überlegt man sich dort lieber, wie man am besten gegen sie bestehen kann.

In Hütteldorf reicht es aber aus, über die viele Kohle der Dosen zu juxen und zu feixen und maximal Platz Zwei anzuvisieren. Und ja, so wird man dann halt mal Dritter oder Fünfter. Vielleicht 1x Zweiter. Aber ganz ganz sicher NIEMALS Erster.

Aber statt den ganzen Tag über Vereine zu jammern, die so viel mehr Geld haben, überlegt man sich dort lieber, wie man am besten gegen sie bestehen kann.

#Rapid ist sportlich einfach unprofessionell

Es gibt nach wie vor kein erkennbares Konzept, wie Rapid auf dem Platz auftreten will und soll. Das scheint dann jeweils von der Laune des aktuellen Trainers abhängig zu sein. Der Kader ist jedenfalls nach so gut wie nix ausgerichtet. Und das sieht man dann auch auf dem Platz. Pressing funktioniert nur, wenn es mit Plan und kollektiv umgesetzt wird. Bei uns rennen 1 oder 2 an, der Rest schaut zu. Für keinen Gegner wirklich schwierig da rauszukommen. In der Defensive spielen wir unheimlich offen, dumm und unstrukturiert. Das hat auch damit zu tun, dass wir halt in der IV zentral auf Leute mit Landesliganiveau setzen („Rapid-Familie“ blabla). Ich kenne kaum einen IV, der so fehleranfällig ist und so patschert foult und penetrant motschkert wie Maximilian Hofmann. Irre, dass so ein Spieler als Kapitän agieren kann. Aber auch der arme Herr Dibon und der Herr Wimmer sind keine IV, die auf höchstem Niveau agieren. Fehleranfällig, immer einen Schritt zu langsam und jederzeit für einen Bock gut. Und von denen sollen halt dann Moormann und Querfeld lernen. Viel Spaß dabei!

In den Transferzeiten bedienen wir uns halt meist bei den Resterampen und ein übergeordneter Plan ist kaum zu sehen. Wenn man sich anschaut, wie ein Sulzbacher auf der rechten Seite durchstartet sobald er nicht mehr bei Rapid ist, während bei uns Schick und Co dort rumpfuschen, fragt man sich halt nach der Sinnhaftigkeit in der Kaderplanung.

Während Sturm mit Yeboah, Hojlund oder Boving so richtig Geld macht, holen wir Kitagawa und Badji. Scouting ist bei uns einfach unprofessionell und richtig schlecht.

Dass man Talente wie Greiml verschenkt und Demir auf Raten verscherbelt, will man einfach nur mehr verdrängen. Dass man generell Spieler wie Knasmüllner, Hofmann oder Schick nicht loswird, hat wieder mit der falsch verstandenen Rapid-Familie zu tun. Die bleiben nicht aus Treue zum Klub – sondern weil einfach kein anderer Klub sie haben will für das Geld.

#Die Rapid Familie

Wunderbar, wir alle lieben unsere Familien (manchmal nerven sie auch unglaublich). Aber alles in allem ist Familie schon was Gutes. Im privaten Bereich. Wenn´s um´s feiern, verreisen oder umziehen geht. Wenn man sich beisteht und hilft. Feine Sache.

Aber nicht wenn es um wichtige Entscheidungen im wirtschaftlichen und sportlichen Bereich eines großen Unternehmens geht. Da braucht es keinen Stallgeruch oder Legendenstatus. Da sollte es einzig und alleine um Kompetenz im Hier und Jetzt gehen. Und nicht um Tore, die man vor 30 Jahren geschossen oder verhindert hat.

Wie will Rapid spielen? Wie baut man dafür den richtigen Kader? Wie kriegt man dafür den richtigen Trainer? Und und und. Bei uns stehen auf der Trainer-Kurzwahl halt nur Ex-Rapidler. Und wenn nicht, dann kommt der Einwand, ja der Büskens hat ja auch nicht funktioniert. Ja eh nicht. War auch eine sinnlose Personalentscheidung.

Aber – siehe oben, man könnte ja mal schauen, wie Berlin, Freiburg, Linz oder Graz das in ihren erfolgreichen Zeiten oder Phasen machen oder gemacht haben. Man braucht aber einen klaren Plan für die Marke Rapid Wien. Und dann kann man ja vielleicht schon mal einen Hütter oder Kohfeldt (oder andere in dieser Kategorie) von diesem Projekt begeistern.

Tolle Stadt, tolles Stadion, viele Fans und man spielt jedes Jahr in der Liga oben mit und hat ein Fixticket für Europa. Das kann auch einen guten Trainer schon mal reizen. Denn so kann Rapid ein Sprungbrett für Trainer für einen größeren Klub in Europa werden. Heute ist Rapid auch für Trainer eher Endstation oder Abstellgleis (wenn ich mir Canadi, Gogo oder Ferdl so anschaue…)

#Rapid Legenden

Man sollte generell, wenn man von Rapid Legenden spricht, die Kirche auch mal im Dorf lassen – und nicht jeden Ex-Kicker, der in Hütteldorf Geld kassiert hat, gleich als Legende bezeichnen. In den letzten 40 oder 50 Jahren gibt es für mich maximal 5 oder 6 wirkliche Legenden. Von Krankl bis Herzog, Panenka oder Kühbauer. Der Rest wie Hatz, Keglevits & Co sind halt einfach ehemalige Rapid-Spieler, die hier gut verdient haben. Und Punkt. Warum die in irgendwelchen Präsidien oder Gremien rumsitzen sollten, keine Ahnung. Da hole ich mir 1000 mal lieber junge Experten, die schon mal in Hoffenheim, Dortmund, Gelsenkirchen, Bremen, Basel, Zürich, Leipzig oder Freiburg für Scouting, Trainingssteuerung oder Nachwuchs zuständig waren.

#Rapid ist jetzt ganz unten angekommen

Schaut man sich an, wie Rapid momentan gegen Teams wie Ried, Lustenau oder Wolfsberg antritt, kann man sagen, wir sind wirklich ganz unten angekommen. Natürlich kann man sich auch über einen Ausgleich in der 100. Minute im Ländle freuen. Aber vor allem sollte man sich ansehen, wie unfassbar dumm man vorher 99. Minuten in der Defensive und in der Offensive gespielt hat. Hinten offen wie ein Scheunentor und vorne immer einen Zentimeter zu spät, zu früh oder zu ungenau. Immer Pech ist einfach auch fehlende Klasse oder fehlender Plan.

Und dabei reden wir vom unteren Mittelbau der heimischen Liga. Wir reden gar nicht mehr davon, dass wir Salzburg, Sturm oder LASK auf Dauer wirklich ernsthaft Paroli bieten können. Ja, mal mit viel viel Glück ein X. Aber das hat nix mit Klasse zu tun. Sondern einfach nur mit Glück. Wir sind nach 14 Runden 15 Punkte hinter Salzburg und 13 Punkte hinter Graz.

Genau das ist wirklich ein Trauerspiel, ein Drama, eine Bankrotterklärung. Man hat mal wieder einen Trainer geholt, der es offensichtlich nicht kann und nie konnte. Der uns in Österreich und vor allem in Europa zur absoluten Lachnummer degradiert hat.

Er hat mit diesem Kader, der allemal für Platz 3 reichen muss, einfach nichts erreicht. Mit Vaduz als absolutem Tiefpunkt für viele viele Jahre. Das Auftreten gegen den Letzten der Zweiten Schweizer Liga war unüberbietbar. Planlos, harmlos und dumm.

FAZIT

Rapid liegt am Boden. Und man hat wohl in Hütteldorf den Schuss noch immer nicht gehört. Das kann man hervorragend am undemokratischen Lehrstück der aktuellen Präsidenten“wahl“ erkennen. Es lebe die Freunderlwirtschaft! Es geht um Posterl und Köpfe. Und nicht um Expertise und Kompetenz. Aber egal, das eitle Schauspiel wird wohl immer bleiben in Hütteldorf (und im Fussball generell).

Dabei wäre es gerade jetzt so wichtig, an der Marke Rapid Wien zu arbeiten. Ein klares Konzept zu entwickeln, wie dieser Klub in Zukunft auf dem Platz und abseits des Platzes auftreten will. Inklusive echten Fachleute und Profis als sportliche Leitung und auf der Trainerbank. Ich will dort keine Ferdls, Gogos, Hicke juniors und Co mehr sehen. Sondern Leute, die Rapid wirklich weiterbringen können.

Europacupfinale 1996 Rapid Wien: Einst ein großer Klub in Europa. Heute ein vaduzter Kleinverein ohne Plan..

2 Thoughts

  1. Ich gebe Dir absolut Recht! Ich sehe das genau so, allerdings habe ich auch immer wieder die rosa Brille auf, und denke mir, dass es doch nicht so schlimm ist. Aber die tatsächlich hellen Momente, die nicht von der Fanbrille getrübt sind, werden immer länger und mehr.

    Und auch Experten, die Rapid weiter bringen, können in die Rapid-Familie aufgenommen werden. 😉

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