Grün weiß nicht weiter

Nach einem Drittel der Meisterschaft steht Rapid mit 17 Punkten auf Platz 5. 12 Punkte hinter Sturm Graz, 6 Punkte hinter Altach, 5 Punkte hinter Salzburg und der Austria. Von 12 Spielen hat man 8 nicht gewonnen. Und natürlich setzen nun die Diskussionen über den Trainer und die gesamte sportliche Leitung ein. Meiner Meinung nach sollte man sich die Ursachen hier auch mal genauer ansehen.

Speziell nach dem verlorenen Derby – es tut weh das schreiben zu müssen – gab es auch etliche Stimmen, die meinten, ja, was kann der Büskens denn dafür, dass der Schaub das leere Tor nicht trifft und dass der Schiedsrichter beim 11er falsch lag. Und das stimmt aus meiner Sicht auch. Er kann die 100%igen nicht selber machen. So wie überhaupt die Spiele gegen Sassuolo und die Austria auch nicht das wahre Problem zeigten. Denn in beiden Spielen trat Rapid so auf, wie man es von dieser Mannschaft eigentlich immer erwarten können sollte. Der Einsatz stimmte, man ging auch die unangenehmen Wege nach hinten und scheiterte „lediglich“ an individuellen Fehlleistungen – an einem grotesken Eigentor, einem Fehlpfiff und an hektischen Blackouts vor dem Tor. Aber die Schuld nur in punktuellem Einzelversagen zu suchen, greift natürlich auch viel zu kurz.

Rapid steuerte in diesem Frühsommer mit großer Zuversicht auf eine erfolgsversprechende Saison zu. Über allem thronte das neue Stadion. Eine „grüne Hölle“, auf die Fans und Verein so lange gewartet hatten. Und um ja sicher zu gehen, dass auch sportlich alles „neu“ läuft, beschloss man sich von Vize-Zocki zu trennen. Der hatte Rapid zwar ein teilweise recht brauchbares Spielsystem verpasst, dem es allerdings vor allem an freien, kreativen Alternativen gegen die „kleinen Dorfclubs“ mangelte. Was gegen Salzburg, die Austria, Sturm oder auch gegen Ajax recht gut funktionierte, machte gegen Admira, Wolfsberg oder Altach nur selten Sinn. Der Admira-Trainer betonte immer wieder – etwas arrogant aber durchaus richtig – dass es gegen Rapid sehr einfach ist zu spielen. Das 4:0 seiner Mannschaft im Happelstadion stellte dies immerhin auch recht eindrucksvoll (und schmerzlich) unter Beweis.

Nun sollte also ein neuer Trainer her (das Trainerteam rundherum blieb). Und wo wurde man schließlich fündig? Nicht etwa bei einem interessanten, spannenden neuen Trainertyp, der auch mal um Ecken denkt oder dafür gerühmt wird, dass er seine Teams taktisch immer sehr variabel auf- und einstellt. Dieser neuer Typus des „Konzeptrainers“, der speziell bei altgedienten Exkickern und Altinternationalen noch immer feixend belächelt wird. Nein, man holte einfach einen altgedienten Exkicker, der in einer Welt der Basics und Primärtugenden lebt. Ein „altes Schlachtross“, das sich gerne in alten abgedroschenen Phrasen ergeht und alle müde belächelt, die nicht mindestens 10 mal in harten Ruhrpottderbys die Knochen hingehalten haben. Ein Praktiker, der ganz offensichtlich von theoretischen Spielarten nicht allzuviel zu halten scheint. Was man schon daran erkennen kann, dass der neue Trainer gar keinen Wert darauf legte, ein eigenes „Special Team“ mitzubringen oder auch langfristig seine Pläne zu verwirklichen. Nein, er unterschrieb für ein Jahr und arbeitete einfach mit den vorhandenen Betreuern weiter.

Ich glaube, dass die Schalke Legende Büskens ein recht netter hemdsärmeliger Typ ist, mit dem man gerne ein Bierchen kippt und dem man auch gerne zuhört, wenn er erzählt, wie das damals war, als man 1997 den Pott in den Pott holte. Aber die Art und Weise, wie er Rapid seit dem Sommer spielen ließ, zeigt auch, dass er diesen Verein nicht auf die nächste Stufe heben oder weiterbringen wird. Denn anfänglich in der Euphorie rund um das neue Stadion fragte man sich manchmal, ob nicht noch immer Herr Barisic auf- und einstellt. Man spielte ungefähr das weiter, was man von Zoki schon jahrlang gesehen hatte. Und das neue Stadion spielte gut mit. Ried (mit neuem Trainer noch mitten in der Findungsphase) wurde bei der Ligapremiere demoliert. Zuhause schwamm man kurz auf einer Welle der Euphorie. Auswärts das alte Bild. Ballgeschiebe, zögerlich, zaudernd, viel zu langsam. Und auch die „Körpersprache“ des neuen Trainers zeigte sich immer deutlicher. Immer wieder pendelte er kopfschüttelnd zwischen Coachingzone und Bank. In interviews sagte er dann was von konkretem, klaren Pass-Spiel und redete von Basics ohne dass von Spiel zu Spiel irgendeine Änderung zu sehen gewesen wäre. Er vertaute von Anfang an auf Jan Novota, nur um Richard Strebinger vor kurzem zu sagen, dass er nie gedacht hätte, dass dieser mal so performen wird. WTF? Er demontierte den Vizekapitän Mario Sonnleitner und vertraute immer und immer wieder den selben Spielern und dem selben (untauglichen) System. Fast wie ein kleines Kind, das immer und immer wieder auf die rote Herdplatte greift, sich immer wieder verbrennt, und jedes mal glaubt, dass es dieses mal sicher nicht weh tut.

Auf den vielzitierten PLAN B muss man wohl noch lange warten, es würde ja schon reichen, wenn der neue Trainer wenigstens einen halbwegs gut funktionierenden PLAN A hätte. Für Büskens wird der einjährige Abstecher nach Wien wohl eine kurze, unbedeutende Episode in seinem Fußballerleben bleiben. Und er wird viele Gründe finden, warum sich der Erfolg nicht einstellen wollte. Dem mit großen Hoffnungen gestarteten Verein hat er gemeinsam mit seinem Dochnicht-Kumpel Müller ein Jahr des Stillstands beschert.

Die Entscheider von Rapid müssen jetzt sehr genau und sehr gut überlegen, wie lange sie diesem Treiben noch zuschauen wollen. Mit diesem Trainer wird es vielleicht noch den einen oder anderen Sieg in einem „Schlagerspiel“ geben – aber gegen Admira, Wolfsberg und Sankt Pölten werden wir immer wieder die gleichen Ausreden nach den Spielen hören. Denn es denkt offensichtlich niemand darüber nach, wie man gegen tiefstehende Gegner, die „schnell umschalten“ (und das tut ja schon jeder) bestehen könnte. Mich erinnert das an die Zeit der Nationalmannschaft vor Koller. Auch hier witzelte und floskelte Herr Constantini gerne nach Niederlagen und sprach von überbewerteter Taktik. Nun mag sich auch Herr Koller langsam überholt haben. Aber die letzten Jahre bis zur EURO haben Spaß gemacht – weil hier ein Team spielte, das in so gut jeder Situation wusste was zu tun ist. Und diesen Spaß hätte ich auch bei Rapid sehr gerne mal wieder…

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