Quo vadis, Rapid Wien?

Jeder Fan hasst die Tage nach einem schlechten Spiel seines Klubs. Wieder mal verloren. Wieder eine Hoffnung weniger, eine Enttäuschung mehr. Die Konkurrenz feixt oder – noch schlimmer – reagiert mit Mitleid. Das fühlt sich gerade in diesem lausigen 20er Jahr noch mal lausiger an. Man darf nicht ins Stadion und quält sich stattdessen mit irgendeinem Livestream auf irgendeiner Plattform. Mit dem nächsten schwachen Spiel seiner Mannschaft. Und davon bot Rapid in den letzten Wochen jede Menge.

„Die sind keinen Deut besser“

Als ich heute irgendwo gelesen habe, dass Trainer Kühbauer nach der Blamage gegen Molde meinte, dass die doch keinen Deut besser seien als wir, offenbarte das für mich eigentlich die ganze Misere, die aktuell in Hütteldorf regiert.

Realitätsverweigerung pur

Ja, es mag schon sein, dass die Spieler von Molde in der Theorie einen geringeren (fiktiven) Marktwert haben als unsere Kicker. Und vielleicht steckt in unserem Kader ja sogar wirklich mehr Talent (naja). Aber selbst wenn es so wäre, was bringt uns das? Was bringt es uns, wenn unsere „Stars“ ihre PS nicht auf den Rasen bringen?

Denn für mich haben die beiden Spiele gegen die Norweger nämlich vor allem eines gezeigt. Nämlich, dass sie uns in diesen 180 Minuten in allen Belangen überlegen waren. Sie spielten schneller, sie spielten klarer, sie spielten organisierter, sie spielten einfacher und sie wollten gewinnen. Ja, auch unsere Burschen wollten sicherlich gewinnen, aber auf dem Rasen war davon so gut wie nichts zu sehen.

Wer spielt bei Rapid da eigentlich unter Kühbauer?

Wenn man sich Spiele in den letzten Wochen anschaut, fragt man sich immer mehr (und wieder einmal) – wofür steht Rapid eigentlich da unten auf dem Rasen? Und wo soll die Reise hingehen?

Defensiv schwach, schwach und schwach

Fangen wir mal hinten an. Ganz hinten. Im Tor. Über Strebingers Böcke gegen Arsenal wurde schon genug gesprochen. Er war leider zu oft ein stetiger Unruhefaktor. Ergo gab es einen Wechsel auf der Position. Nun muss man allerdings sagen, dass auch Gartler nicht eben viel Ruhe und Sicherheit ausstrahlt. Man hat nicht das Gefühl, dass er auch mal ein paar Unhaltbare rausfischt, wenn es drauf ankommt. Stattdessen wird jeder Standard in Strafraumnähe zum unangenehmen Stressfaktor. (Wobei ich ja als Laie immer noch nicht ganz verstehe, warum unsere Defensiv-Linie sich dabei immer zwischen 5er und 11er ballt?! Das muss doch für Hektik in der Hochsicherheitszone sorgen, oder?) Aber das wissen die Trainer und Co-Trainer sicher besser. Sind ja schießlich Legenden oder Legenden-Söhne. Gut, also ganz hinten wird es oft ganz finster. Und knapp davor?

Das Scheunentor Prinzip

Unsere Innenverteidigung war gestern leider wie schon einige Male zuvor offen wie ein Scheunentor. Ja, leider ist Dibon verletzt, leider ist Sonni schon eher im Spätherbst der Karriere. Aber es kann doch nicht sein, dass ein Klub wie Rapid in der IV auf Barac und Hofmann als Bollwerk in der Europa League vertrauen muss. Das grüne Urgestein ist ein guter Ergänzer neben einem starken Innenverteidiger. Aber das wird Barac leider in diesem Leben nicht mehr werden. Er ist groß und er ist kräftig. Aber damit hat es sich auch schon. Spielaufbau heißt bei ihm Querpass oder Pass zum Gegner. Oder ein irrationaler Abschlag ins Nirgendwo. In der höchsten Liga irgendeines europäischen Landes findet man das 2020 nur mehr selten. Leo Greiml ist ein 19 jähriges Talent und natürlich nicht stabil in seinen Auftritten. Und gerade er bräuchte ein Pendant an dem er sich orientieren und aufrichten kann. Gibt es aktuell nicht.

Zentrales Lazarett

In der Zentrale schmerzt der Ausfall des Kapitäns gerade ganz besonders. Auch dass Petrovic momentan mehr beim Arzt als auf dem Feld ist, tut weh. Denn Ritzmaier ist ein feiner Kicker, aber 6er ist er keiner. Grahovac ist ein 6er aber eher kein … Und Knasi hat halt manchmal etwas Licht und manchmal viel Schatten. Und das manchmal innerhalb kürzester Zeit. Aber gut, wer bei Bayern begann und jetzt bei Rapid spielt, spielt wohl so. Sonst wäre er ja jetzt bei Real.

Unsere Außenminister

Schnelle, technisch starke, junge Leute auf den Flügeln. Jeden Dienstag oder Mittwoch in der Champions League bei so gut wie allen großen Klubs zu bestaunen. Bei uns naja, da gibt´s entweder schnell oder stark. Beides ist eigentlich keiner. Und immer und immer und immer wieder die gleichen halbhohen Flanken in die gleichen Räume bringen auch selten Erfolg.

Aber vorne geht´s rund

Wenn man Rapid heuer und letzte Saison mal Grund zur Freude hatte, dann hatte das meist mit den Herren Fountas, Kara (und Demir) zu tun. Nun steckt Taxi gerade eher im Stau und auch bei Kara und Demir wachsen die Bäume nicht sofort in den Himmel. Über Kitagawa mag ich nicht mehr nachdenken. Der braucht sicher noch 2 bis 3 Jahre Zeit zum Eingewöhnen.

FAZIT: Der Kader ist so so la la (um es mal streng wissenschaftlich auszudrücken) Gibt in der Liga wenige bessere und viele schlechtere. Sollte immer für Platz 2 bis 5 reichen. Wenn man mal mehr will, muss man also nicht die Aufstellung sondern die Einstellung ändern. Und da hapert es.

Was spielt Rapid da eigentlich unter Kühbauer?

Für mich geht es daher auch weniger um das WER als viel mehr um das WIE. Wie spielt Rapid unter Kühbauer? Und der Trainer war ja lange als Defensiv-Trainer verschrien. Sicherheit zuerst und immer tief stehen und „die Null“ halten. Nun ja, davon sieht man aktuell wenig.

Um es polemisch kurz zusammenzufassen. Hinten stehen wir nicht gut und vorne stehen wir zu viel.

Ich bin immer wieder erschrocken (und die DAZN-Kommentatoren gestern auch), wie unfassbar langsam nach einem Ballgewinn in der eigenen Hälfte Rapid mit mehreren Spielern nach vorne kommt. Man nennt das ja heute so schön „schnelles Umschaltspiel“ (früher eher ein schneller Konter). Aber egal, für beides steht Rapid nicht. Da wird langsam quer gepasst und hin und her und hin und her – gefolgt von einer trägen „Stefan Schwab-Gedächtnis-Pirouette“ um die eigene Achse. Bis dann endlich der Gegner auch wieder seine defensiven Positionen bezogen hat. Dann versucht man irgendwie die Flügel in Position zu bringen, gefolgt von einer halbhohen Flanke auf gut Glück. Das war gestern gegen Molde in Reinkultur zu bewundern.

Wenn hingegen Molde in seiner Hälfte den Ball eroberte, dann stürmten die Spieler ORGANISIERT UND SCHNELL auf unserTor zu. Und sorgten für Hektik in unserer Defensive.

Und im Prinzip spielen eigentlich alle Mannschaften, die irgendwas auf sich halten, international so. Schnell, klar und mit hoher Intensität. Nur Rapid halt nicht. Wir passen quer und hoffen das Beste. Und dank der Qualität im Kader und guter Stürmer reicht das auch in der Liga immer wieder mal. International halt kaum.

Aber oft muss man gar nicht so weit über die Grenzen schauen, um Erfolgsmodelle zu sehen. Der WAC besiegte gestern Feyenoord und spielt damit auch im Frühjahr europäisch. Und der LASK schied zwar aus, zeigte aber in der Gruppe heuer (und vor allem letzte Saison) eine Menge ambitionierte, mutige, klare Auftritte. Bei beiden Mannschaften ist ein eigenständiger Stil zu erkennen. Da werden nicht Gegner stark geredet oder schon vorher (und nachher) Ausreden gesucht. Da geht man mutig mit schnellem, klarem Fussball auf Aufgaben zu. Und immer wieder gewinnt man so auch mal.

FAZIT: RAPID STEHT UNTER KÜHBAUER FÜR EINEN LANGSAMEN, BERECHENBAREN FUSSBALL DER GANZ ALTEN SCHULE. MAN SUCHT LIEBER AUSREDEN ALS NEUE ANSÄTZE. TEMPO IST BEI UNS ZU OFT EIN FREMDWORD. WIR PRESSEN HALBHERZIG UND KONTERN LANGSAM UND DURCHSCHAUBAR. DIE INDIVIDUELLE KLASSE EINZELNER SPIELER SORGT DAFÜR, DASS ES IN ÖSTERREICH ZU PLATZ 2, 3 ODER 4 REICHT. MEHR KANN DAS SO AUCH NICHT WERDEN. LEIDER …

Und falls sich vielleicht wer über die „seltsamen Bilder“ wundert. Einfach nicht wundern. Ich hatte nur gerade überhaupt keine Lust auf die üblichen Fußballbilder … 🙂

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