Baustellen in Hütteldorf

Das Spieljahr 2021 ging mit dem neuen Trainer doch noch ziemlich gut zu Ende. Man überwintert in Europa – zumindest in der dritten Etage. Und man überwintert in Österreich in den Top 6. Eigentlich für Rapid immer ein Muss, man kann es heuer auch Minimalziel nennen.

Und der erste Eindruck des neuen Ferdl in Hütteldorf ist ein durchaus positiver. Der Mann scheint einen Plan zu haben, er geht auf Menschen zu und wirkt offen und ehrgeizig. Vorbei – zumindest in der Öffentlichkeit – die Zeit des dauergrantigen Herrn Kühbauer, der sich permanent von irgendwem verfolgt fühlte und der jede Frage nach seinem „System“ für einen blasphemischen Angriff auf die Allwissenheit eines Nationalspielers zu halten schien. Von den Kasperliaden und dem Dauergefuchtle an der Seitenlinie ganz zu schweigen. Emotionen sind toll, aber wenn es nur mehr um Grant und Zorn geht, ist das irgendwann kontraproduktiv (sagt der Küchenpsychologe haha).

Ich hatte anfangs gar keine Freude mit der nächsten internen Lösung. Ex-Rapidler und Österreicher halt. Aber im Vergleich zu Schopp und Herzog halte ich Feldhofer noch für die beste Lösung – und im Endeffekt kann man´s ja jetzt eh nicht mehr ändern 🙂

Wenn man die erste Hälfte in Genk gesehen hat, und der Trainer nachher meinte, da war schon viel dabei, wie es künftig aussehen soll, wenn Rapid spielt, dann stimmt das auch durchaus positiv. Wenn man es schafft, so einen Auftritt über 60, 70 Minuten konzentriert zu halten, dann sollte zumindest der zweite Platz in der Liga künftig wieder fix sein.

Und dennoch gibt es aus meiner ganz persönlichen Sicht auch viel zu viele Baustellen in Hütteldorf, die ich nur mal kurz und knapp auflisten wollte. Mir ist auch bewusst, dass man hier vieles anders sehen kann … ich erhebe keinen Anspruch auf 100% Rechthaben sondern verleihe nur einem subjektiven Bauchgefühl Ausdruck 🙂

Baustellen bei Rapid (eine subjektive Liste)

  • Ein mehr als schläfriger Präsident, der auf Dauertauchstation ist
  • Noch immer kein echt konstant stabiler und sicherer Tormann (hier wechseln gute Aktionen und Halbzeiten zu oft mit dummen Fehlern)
  • Eine Abwehrformationen, die einfach viel zu oft viel zu unsicher ist (trotz guter junger Kicker wie Greiml, Moormann oder Aiwu)
  • Offen wie ein Scheunentor bei Standards
  • Kein guter 10er / 8er – kein Spieler, der ein Spiel machen, lenken und Bälle verteilen kann
  • Leider immer wieder Dauer- und Langzeitverletzte (Dibon, Schobesberger, kommen die mal wieder?)
  • Wenn wir pressen, dann halbherzig und dumm. Viel zu offensichtliche, plumpe Fouls machen jedes Pressing kaputt (wie gute Balleroberung geht, kann z.B. auch ein junger Österreicher wie Konrad Laimer zeigen)
  • Biedere, fehleranfällige Durchschnittskicker wie Schick, Wimmer, Grahovac und Hofmann, die viel zu oft spielen müssen
  • Spieler, die einfach nicht können und / oder nicht wollen wie Knasmüllner, Kitagawa, Arase – wobei Letzteren einfach die Klasse fehlt und Erster einfach besser bei einer Beach-Soccer-Truppe aufgehoben wäre
  • Die sogenannten Leistungsträger wie Fountas, Kara, Ullmann, die stabil Leistung bringen und dann plötzlich nur mehr für einen Transfer zu spielen scheinen (ähnliches sah man ja auch bei D.Ljubicic in seinen letzten Monaten bei Rapid, der wollte sich nur nicht vor der Bundesliga verletzen und war mit dem Kopf im Irgendwo. Was der echt kann sieht man aktuell in Köln immer wieder)
  • Mentale Fehlschüsse wie bei dem jungen Ljubicic, der durch unfassbar dumme Rote Karten die Mannschaft im Stich lässt
  • Demir, den man aus Hütteldorf auf eine katalanische Ersatzbank verschacherte, weil er es sich so sehr wünschte – was passiert hier im Winter bzw. nächsten Sommer?

Es ist leider zu viel Stückwerk, das gar nicht oder nicht ganz richtig funktioniert. Mir tut es dann leid um wirklich gute Talente Grüll, Aiwu, Auer, Greiml, Moormann oder stabile Recken wie Stojkovic, die angesichts einer solchen Truppe dann lieber früher als später das Weite suchen werden. Und wenn man sich ansieht, was in Deutschland auch unterklassige Vereine zahlen, dann sind die wohl bald weg.

Wenn es nicht gelingt ein Projekt in Hütteldorf zu starten, das auch für junge Kicker Sinn macht. Wo sie eine Perspektive sehen, bei der sie europäisch spielen können und in der Liga um Titel kämpfen. Wo sie eher noch eine Saison länger bleiben, weil sie in der Europa oder Champions League aufzeigen und dann gleich höher im Ausland einsteigen können. Und so ein Projekt muss endlich beginnen, sonst heißt „Mission 33“ wirklich irgendwann 33 Jahre ohne Titel für Rapid. Und das will ich nicht haben. Das will kein Grüner haben.

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