GOOD & BAD: eine erste Bilanz

Nach den ersten Wochen der neuen Saison ist es Zeit für eine erste, vorsichtige Bilanz, was bei Rapid bisher gut lief und was ruhig noch besser werden darf.

GOOD

Das neue Stadion: Schaut gut aus und ist wirklich höllisch laut. Die Stimmung ist fantastisch, das neue Stadion macht Spaß, die Rapid-Marie funktioniert und ist ein wirklich gutes System. Der Rest mit verwirrenden Aus- und Eingängen wird sich einspielen.

Performance in Europa: Mal von 1-2 etwas laueren Auftritten in der Qualifikation abgesehen, wurden die Ziele erreicht. Man ist in der Gruppenphase und kann mit Vorfreude und auch durchaus optimistisch den Herausforderungen Bilbao, Genk und Sassuolo entgegenblicken. Überwintern in Europa wird schwer, ist aber sicher nicht unmöglich.

Transfers: Mit Schösswendter, Mocinic, Traustason und Joelinton kann man wirklich voll zufrieden sein. Ersterer gibt ganz selbstverständlich den Boss in der Abwehr. Um Sonnleitner tut es mir zwar leid. Aber die Torgefährlichkeit und das Auftreten sprechen momentan für den Ex-Admiraner. Mocinic und seine Präszision im Pass-Spiel sind bestechend. Wenn der Kroate sich noch mehr eingewöhnt hat, wird er Gegnern noch viel Kopfzerbrechen bereiten. Traustason ist ein dynamischer, harter Knochen mit Luft nach oben. Sein Herangehen an die Aufgaben wirkt frisch und unkompliziert. Joelinton kann ein richtig Guter werden – wenn er seine „Kinderkrankheiten“ in Sachen Disziplin und Spielverständnis in den Griff kriegt.

Derbysieg: Ein souveräner klarer Erfolg gegen den „Lieblingsgegner“ spricht für sich. Derart chancenlos und unterlegen sah man Violett leider selten in Derbys. Das kann so bleiben.

Formaufsteiger: Spieler wie Schaub, Schwab, Pavelic, Murg, Dibon, Schrammel bringen bis dato regelmäßig gute bis sehr gute Leistungen. Schobesberger präsentierte sich bis zu seiner Verletzung auch verbessert, Szanto überraschte mit guten Auftritten, wenn er vom Trainer seine Chancen bekommen hat.

BAD

Landpartien: Wie schon in den vergangenen Saisonen unter Zoki entwickeln sich auch unter Mike Krüger die Auswärtspartien gegen die kleineren Klubs zu einem Trauerspiel. Das soll nicht das Engagement der Altacher oder Wolfsberger geringschätzen – aber es kann nicht der Anspruch von Rapid Wien sein, dass man froh ist, wenn man mit einem Punkt aus der Provinz zurückkommt (und ich bin selber ein Landei;). 1 Punkt in Wolfsberg, kein Punkt in Altach sind keine besonders gute Basis.

Systemfrage: Der Ballbesitzfußball, dem auch Rapid seit Barisic anhängt, ist nicht wirklich gegen jeden Gegner (s.o.) die optimale Lösung. Das minutenlange querpassen zwischen eigenem Sechzehner und Mittellinie, unterbrochen von Rückpass zum Tormann bringt zwar imposante Ballbesitz-Statistiken, gewinnt aber – so gespielt – nicht immer Punkte. Bayern oder Barca unter Pep G. haben diese Handball-Belagerungstaktik bis zur Perfektion getrieben. Nur wurde sie dort eben unter anderem von Iniesta, Rakitic, Messi, Vidal, Müller und Lewandowski ausgeführt. Dafür ist zum Teil, das überraschende Element im letzten Drittel bei Rapid einfach noch unterentwickelt. Stundenlang hin und her passen und dann den Ball im richtigen Moment auf Messi spielen macht halt doch einen großen Unterschied, wenn bei uns vorne „nur“ Joelinton spielt. Ein Plan B täte unserem Spiel seit langem schon gut.

Transfers: Neben guten Neuverpflichtungen und bisher noch nicht sichtbaren Perspektiv-Verpflichtungen wie Entrup oder Malicsek, holte man als Ersatz für den leider verletzten Jelic einen nicht fitten jungen Stürmer aus Georgien. Wo schnelle Entlastung für Joelinton gefragt wäre, darf der junge Brasilianer sich weiter als Alleinunterhalter aufreiben. UND: man fragt sich schon, wie lange man noch warten muss bis Rapid endlich wieder einen richtig guten Tormann zwischen den Pfosten hat. Wenn man sich das unsichere, ungelenke Gefauste und auf der Linie-picken des kreuzbraven und grundsympathischen Jan Novota anschaut, wird einem ziemlich flau in der Magengegend. Jede Flanke und jeder Eckball ist eine nervliche Bedrohung. Ich kann es bis heute nicht verstehen, wie ängstlich ein Tormann mit dieser Länge und Statur auf der Linie klebt, wenn eine Flanke reinkommt. Strafraumbeherrschung Null. Krönung war das Slapstick-Gegentor im Derby, wo Herr Novota völlig unmotiviert mal aus dem Strafraum spazierte und sich wunderte, dass so ein Ball so hoch springen kann. Aber das dachte ich mir auch schon z.T. bei Payer und bei Hedl (der ja aktuell Tormanntrainer ist?!) immer wieder. Strebinger hat prinzipiell gute Anlagen, ist allerdings pro Match für ein saftiges Nervenversagen gut.

„Causa Entrup“: Gut, wenn man unbedingt meint, kann man natürlich als junger Bursche schon einem Austria Wien Fanklub beitreten. Warum man dann allerdings wenige Jahre später zu Rapid wechselt, werde ich wohl nie ganz verstehen. Aber aus meiner Sicht ist das alles noch lange kein Grund, einen jungen Spieler der eigenen Mannschaft derart verhement anzugehen oder gar mit Böller zu bewerfen. Hier sind sowohl Verein als auch Spieler und natürlich vor allem die Fans gefragt. Es ist immer besser solche Dinge offen miteinander auszureden. Auch wenn die Thematik natürlich heikel ist, aber nur durch Gespräche und klare Entscheidungen kann man aus diesem eigenverschuldeten Dilemma wieder rauskommen. Den eigenen Spieler auspfeifen oder angreifen, geht gar nicht.

Alles in allem. Vieles ist schon recht gut bei Rapid 16/17 – aber einiges darf ruhig auch noch viel besser werden.

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