Ab morgen also Canadi?

Gerüchtezeiten sind schöne Zeiten für Fans. Ob es nun Transferzeiten sind, in denen die absurdesten Verpflichtungen über dubioseste Plattformen geistern, oder wie aktuell, jene Zeit, nach der Entlassung Beurlaubung eines Trainers. Wer übernimmt also in Hütteldorf?

Nun, so mitten in der Saison scheint die Auswahl wohl nicht allzu groß zu sein, wenn man den Gerüchten der letzten Tage Glauben schenken kann. Damir Canadi, Didi Kühbauer, Andreas Herzog als Topgerüchte aus Österreich, Thomas Doll, Bruno Labbadia und Mirko Slomka (Evergreen, wann immer hierzulande ein Trainer gesucht wird) aus Deutschlands Gerüchteküche und als Überraschungsgerüchte noch Murat Yakin und Heiko Vogel.

So gut wie jede österreichische Medien-Plattform hat mittlerweile so ziemlich die selbe Auswahl den Fans zur Abstimmung vorgeworfen. Je nach Lustigkeitsgrad – haha – wurden dabei dann auch noch wahlweise Hans Krankl, Karl Daxbacher, Andi Ogris oder Pep Guardiola untergemischt.

Natürlich hat man als gemeiner Fan keine Ahnung, welche Listen derzeit rund um Hütteldorf kursieren. Vielleicht, vielleicht auch nicht stehen da ungefähr die gleichen Namen drauf – von Guardiola und Ogris mal abgesehen 🙂

Die Meinung der (Rapid)Fans scheint in dieser Frage auch noch mehr als gespalten. Nicht überraschend zwar, aber in jedem Fall ist kein einheitlicher, geschlossener Ruf nach „Mister X“ zu vernehmen.

PROs und CONs der Fans und Medien zu den „realistischen“ Kandidaten sind schnell zusammengefasst:

Herzog

PLUS In der Jahrhundert-Rapid-Elf, erfolgreicher Kicker, macht einen recht hellen Eindruck, hat internationale Erfahrungen gesammelt MINUS hat noch nie einen Klub trainiert, hat noch nie eine „Erwachsenen-Mannschaft“ verantwortlich gecoacht, was kann man von Klinsmann schon lernen?, fraglich, ob er den „bequemen Weg“ aufgibt.

Kühbauer

PLUS  In der Jahrhundert-Rapid-Elf, erfolgreicher Kicker, Erfolge mit Admira (Aufstieg und 3. Platz) und Wolfsberg (5. Platz), bläst den Jungen sicher ordentlich den Marsch MINUS war nie lange erfolgreich, erreicht seine Mannschaften immer nur 1 bis 1,5 Jahre, goscherter Typ, der polarisiert und gerne aneckt, fraglich, ob er taktisch sehr variabel ist, hat noch nie bei einem großen Klub gezeigt, dass er es kann.

Canadi

PLUS Erfolgreich mit Altach (Aufstieg, 3., 8., und aktuell 2.), lässt seine Mannschaften taktisch sehr variabel spielen, kann seine Teams perfekt auf den jeweiligen Gegner einstellen, hat Ausstiegsklausel imVertrag MINUS ist noch bei Altach unter Vertrag, hat bei der Austria (17 Minuten) gespielt, ist ein etwas schwieriger Typ, hat noch nie bei einem großen Klub gezeigt, dass er es kann.

Slomka, Labbadia, Doll, Vogel

PLUS deutsche Trainer MINUS deutsche Trainer

Yakin

PLUS vielleicht eine spannende neue Option MINUS Bedarf nach Experimenten derzeit eher mehr als gestillt

Wie in Gerüchtezeiten üblich, bleiben in der Öffentlichkeit immer mehr Fragezeichen als Fakten übrig. Aktuellen Wasserstandsmeldungen zufolge, scheint Damir Canadi in Front zu liegen – (aber bevor Koller kam, war ja die Frage auch nur noch, ob Herzog oder Jara das Rennen machen werden)

Ein paar Zitate von Damir Canadi in Pressesplittern der letzten zwei Jahre:

Damir Canadi: Gute Spieler zu haben bedeutet nicht, dass man automatisch erfolgreich ist. Wenn wir beim SCR Altach heuer nicht als Team so zusammengewachsen wären, hätten wir es heuer mit diesen Ausfällen nie geschafft. Wir sind sehr demütig geworden, auch die Spieler. Dass wir nie wieder in diese Situation kommen, müssen wir einfach immer 100 Prozent geben können.

Damir Canadi: Wenn man Fußballprofi ist, muss man schätzen, was man hat. Auch bereit sein, da zehn bis zwölf Stunden täglich zu investieren. Dieses Bewusstsein müssen wir entwickeln. Dann hat man eine andere Einstellung zum Beruf Fußballprofi.

Damir Canadi (zu Vorarlberg):  Dass es uns hier super gefällt, ist ja kein Geheimnis mehr. Alles was neben dem Job passiert, kann man hier unternehmen. Wenn ich es mit Wien vergleiche und an meine recht jung verstorbenen Eltern denke, die in der Pension nicht mehr wussten, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen, dann weiß ich, dass ich meine Pension auf jeden Fall in Vorarlberg verbringen werde. Hier habe ich alles vor der Tür, ob ich biken oder Motorrad fahren möchte, alles was das Herz begehrt.

Damir Canadi (zu seinem Jahr im Trainerteam von Lok Moskau): Du kannst bei der Fortuna in Wien genauso viel lernen wie bei Lok. Besonders wertvoll war Moskau aber, um zu erkennen, wie ein Großklub funktioniert. Wie Entscheidungen ablaufen, wie man sich auf ein Spiel in Wladiwostok mit acht Stunden Zeitverschiebung vorbereitet. Wie man mit Millionären im Fußball umgeht. Auf solche Themen war ich nicht vorbereitet und jetzt muss ich bei Altach ja auch mit langen Busreisen umgehen können.

Damir Canadi (zur Lieblingsformation): Aufgestiegen sind wir mit einem 4-3-3, in der Bundesliga waren wir dafür aber noch nicht effizient genug. Es gab Probleme, das höhere Tempo anzunehmen. Ich habe auch länger gebraucht, um die sieben Neuen zu integrieren, als gedacht. Die Liga ist ja für viele neu. Viele haben anfangs Fotos von den großen Stadien gemacht, das war eine Erkundungstour. Entscheidend ist das 4-4-2 aber nicht. Die Anordnung auf dem Feld ist nicht das Wichtigste. Entscheidend ist die Spielphilosophie. Es geht mir um die richtige Balance zwischen Offensive und Defensive. Es geht immer darum, was der Kader am besten umsetzen kann. Da muss ich sensibel hinschauen. Für mich ist diese Vorgangsweise die erfolgreichste.

Damir Canadi (zum angeblich „überschätzten Offensivpressing“): Sicher nicht, wenn man das so perfekt wie Salzburg spielen kann. Man kann sich viel abschauen, wir Trainer müssen kreativ werden, um dagegen zu bestehen. Beim 0:5 in Salzburg ist das noch nicht aufgegangen. Aber selbst 90 Minuten so zu spielen, ist schwer, wenn die Erfahrung damit und die Qualität der Spieler nicht so da ist wie bei Red Bull.

Damir Canadi (zur eigenen Spielerkarriere): Ich war wirklich sehr talentiert. Vielleicht hat das passende Umfeld gefehlt, um Fehler, die ich sicher gemacht habe, auch analysiert zu bekommen. Ich will manch falsche Entscheidung aber nicht missen. Sie hat mich geprägt und hilft mir heute als Trainer.

Canadis Beitrag zur ÖFB Fortbildung 2014

Man darf also gespannt sein, wer das Rennen um den Trainerstuhl in Hütteldorf macht. Vielleicht ist Damir Canadi ja morgen schon neuer Rapid Trainer. Vielleicht auch nicht. (Marcel Koller dürfte dieses Mal wohl eher nicht das Rennen machen 🙂

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