Canadi kann das

Neuer Trainer. Neues Trainerteam. Nach dem missglückten Versuch, aus grün königsblau zu machen, nun also „Canadiola“, der „Taktikfuchs“ aus Wien. Der Wunschkandidat des Präsidiums (und vieler Fans) hat das Flipchart in Hütteldorf übernommen und soll Rapid mittel und langfristig in eine erfolgreiche Zukunft führen.

Es eilt dem Mann in jedem Fall ein guter Ruf voraus. Und das Ergebnis seiner Arbeit konnte sich in der Regel auch wirklich sehen lassen. Als Spieler ein Wandervogel, der in 12 Jahren 12 mal den Verein wechselte, wurde er als Trainer die letzten Jahre in Vorarlberg sesshaft. Seit 2011 sorgte er dort, erst in Lustenau, dann in Altach durchaus für Furore. Vor allem in der Aufstiegssaison brannte seine Mannschaft ein spielerisches Offensivfeuerwerk ab. Die erste Saison in der höchsten Spielklasse erreichte sein Team Platz 3 und konnte auch im Europapokal durchaus Achtungserfolge aufweisen. Letzte Saison war eher zum Vergessen. Aktuell allerdings liegen seine Altacher punktegleich mit Leader Sturm Graz auf Platz zwei.

Und wie Präsident Krammer bei der Vorstellung des neuen Trainers richtig bemerkte, liegen die Leistungen, Erfolge wie Misserfolge transparent auf dem Tisch. Man weiß, wie Canadi seine Mannschaften spielen lässt. Und wie er in den letzte Tagen nicht müde wurde zu betonen, gibt nicht er das System vor, sondern das vorhandene „Spielermaterial“. Ob 3-5-2, 4-4-2, 4-2-3-1 oder eine andere Zahlenfolge, ist davon abhängig, welche Spieler er für seine Vorstellungen zur Verfügung hat.

Bekannt sind in jedem Fall auch seine Spielideen und seine Anforderungen an die Mannschaft. Was in jedem Fall sehr schön zu wissen ist. Bei Büskens hörte man außer Floskeln diesbezüglich eher wenig – er sprach immer wieder von Basics und dass man zu unkonkret gespielt habe. Vermutlich war es aber auch unter seiner Würde, Unwissenden seine Gedanken zu erklären – da starrte er lieber bei jeder PK gelangweilt ganz fest nach links oben (was immer da war).

Canadi hat seine „Basics“ auf jeden Fall immer und immer wieder definiert, wenn er von ganz konkreten Anforderungen spricht, die es bei eigenem oder gegnerischem Ballbesitz bzw. bei Ballgewinn zu erfüllen gilt. Exemplarisch hier nur seine „Postulate“zu situativem Pressing und dem Modebegriff „Umschaltsspiel“ 🙂 Ich gehe davon aus, dass im Jahr 2016 jeder Trainer seine Vorstellungen mit seinem Team definiert hat. Und vermutlich ist es Standard, solche Spielsituationen zu definieren. Mir als interessiertem Volllaien macht es auf jeden Fall Spaß, das so zu hören. Bei Canadi hat man auch bereits gesehen, wie er mit seinen Mannschaften erfolgreich – angepasst an die jeweiligen Gegner – dominant bzw. dominanzbrechend spielen kann.

WANN UND WODURCH WIRD DAS PRESSING BEREITS AUSSERHALB UNSERER PRESSINGZONE AUSGELÖST?

Wir sollten das Pressing nur dann beginnen, wenn wir kompakt und mit möglichst vielen 8-9 (allen) Spielern hinter dem Ball stehen und der Gegner uns eine Gelegenheit gibt zu attackieren, weil er folgende Fehler macht: 

(1) Der Gegner spielt unnötige Querpässe: In dem von uns freigelassenen Bereich spielt der Gegner mehrere Querpässe, weil er keine Passwege in die Tiefe findet. Unser Spieler (Stürmer), der am nächsten zum Ball steht, startet aggressiv in den Querpass sobald dieser gespielt wird. (2) Der Gegner fällt auf unser „Angebot“ herein: Wir lassen einen unsicheren oder technisch schwachen Spieler frei, damit er angespielt wird. Sobald der Pass zugespielt wird, attackieren wir! (3) Ein Gegner wird zu ungenau oder zu scharf angespielt und kann den Ball nicht kontrollieren: Der Gegner ist so sehr mit dem Ball beschäftigt, dass er nicht sofort erkennt, wie aggressiv er attackiert wird. Wir machen „Druck“, greifen in Überzahl an und verstellen sofort auch alle seine Abspielmöglichkeiten. (4) Ein Gegner muss einem Fehlpass hinterher laufen (dreht dem Spiel den Rücken zu): Wir „jagen“ sofort hinterher und lassen nicht zu, dass er sich in seine Spielrichtung drehen kann, sondern kesseln ihn ein, verstellen alle Passwege und nehmen ihm den Ball ab. (5) Ein Gegner dribbelt unnötig: Sobald er in oder kurz vor unserer Pressingzone dribbelt, bekommt er „Druck“, er wird von unseren nächststehenden Spielern aggressiv attackiert, mindestens gedoppelt, wir schieben alle zum Ball hin und versperren sämtliche Passwege. (6) Der Gegner hat Einwurf: Beim Einwurf hat der Gegner zwar sicheren Ballbesitz, aber nur eine begrenzte Reichweite. Wir „Schieben“ alle zum Ball hin.

DAS OFT ZITIERTE, SITUATIVE, SCHNELLE UND ZIELSTREBIGE UMSCHALTSPIEL.

Bei gegnerischem Ballbesitz versuchen wir dem Gegner Raum und Zeit wegzunehmen. Wichtig! Aggressives Attackieren gegen den Ball – nicht gegen den Gegner – ohne Foul. Denn ein Foul bricht das Pressing! #Bei Ballgewinn sofort den Weg in die Tiefe suchen #Ballkontaktzeit minimieren auf 1-2 Kontakte # Schnelles Überwinden des freien Raumes #Gezielte Laufwege => um Räume zu schaffen #Hohes Tempo des Balles mit dem Ziel, Tore zu erzielen #3 – 5 Spieler in den Strafraum, um Torabschlüsse zu suchen            #Kompaktheit –  Nachrücken und Absichern der nicht am Angriff beteiligten Spieler #Anspielmöglichkeiten, wenn Umschaltspiel abgebrochen werden muss #Vorsichtsmaßnahmen bei Ballverlust für Gegenkonter.

Ich glaube, dass Canadi und das neue Betreuerteam unserer Mannschaft gut tun werden. Er kann hier mit neuen Möglichkeiten konzeptiv und hoffentlich auch längerfristig arbeiten. Ich wünsche ihm, mir, uns allen, dass Rapid stark, klug und erfolgreich spielt und endlich wieder Titel einfährt. Die Voraussetzungen sind mit dieser Mannschaft und diesem Trainerteam gegeben. Auf ein starkes Frühjahr und alles was danach noch Gutes passieren wird 🙂 

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