Es fehlen Qualität und Klasse. Diese Mannschaft ist einfach nicht besser.

Als ich gestern Abend wieder mal angespannt und unzufrieden im Stadion stand, dämmerte mir langsam eine bittere Erkenntnis, die wohl 99% der Fußballinteressierten schon sehr viel früher hatten. Ja, manchmal brauche ich etwas, um zu verstehen, was mir nicht gefällt.

Ich dachte bis gestern eigentlich immer wieder, was wir nicht für Pech hatten diese Saison, falsche Trainer und falsche Ein- und Aufstellungen und das alles. Und dass das eigentlich alles doch nicht sein könne. Warum diese Mannschaft so UNTER IHREN MÖGLICHKEITEN BLIEB BISLANG. Bis es mir wie Schuppen von Augen und Haaren fiel. Und es begann schon beim gemeinsamen Brüllen der Startformation. Ja, bist denn du deppad …

Diese Mannschaft ist einfach nicht besser. Die spielt diese Saison genau das was sie kann. Nicht mehr und nicht weniger. 

Ich entschuldige mich bei allen, die es betrifft – vor allem bei mir selber – für diese viel zu späte Erkenntnis. Aber manchmal ist man einfach Gefangener der eigenen Vereins- und Fan-Geschichte. Rapid war mir immer ein ganz besonderer Verein. Mit ganz besonderen Spielern. Auch wenn wir wahrlich nicht jedes Jahr Meister wurden, seit ich in den 1980er Jahre Rapid so verfolge und begleite wie ich es nun mal tue.

ABER sehr viele Rapid-Teams hatten immer wieder ganz besondere Spieler in ihren Reihen. Genau solche Spieler, die oft mal den Unterschied ausmachten. Waren das früher noch viele wie Panenka, Kranjcar, Brucic, Krankl, Weber, Feurer, Pecl,  oder später Herzog, Boskovic, Trifon, Kühbauer, Schöttel, Stöger, Jancker, Stumpf, natürlich Dejan Savicevic, Konsel, Steffen Hofmann, Hoffer, Korkmaz, Kavlak u.s.w.

Es waren immer etliche Spieler in unserem Kader, die uns von der Admira, Wolfsberg und Altach abhoben.

Und dann ging ich im Kopf mal unseren aktuellen Kader, unsere aktuelle Stammformation, durch. Und ja, das Ergebnis war mehr als ernüchternd. (Sorry, dass ich so lange dafür brauchte.)

Aber Kicker wie Knoflacher, Pavelic, Maxi Hofmann, Auer, Sonnleitner, Grahovac, Kuen, Kvilitaia, Jelic, Murg, Joelinton, Traustason u.a.m. sind UM KEINEN DEUT BESSER als irgendwelche x-beiebigen Kaderspieler von Wolfsberg oder Mattersburg. Unser Kader ist voll mit Spielern, die man 1:1 und ohne Qualitätsanstieg oder Qualitätsverlust mit irgendwelchen  Kickern aus Sankt Pölten oder der Südstadt tauschen könnte. Wir haben einen Kader voll von Durchschnittskickern. Und da darf man sich auch fragen, warum man einen Starkl und einen Grozurek gehen ließ, nur um jetzt Jelic und Kvilitaia im Kader zu haben.

Natürlich sind sie für uns Rapidler was besonderes, weil es halt UNSERE SPIELER sind. Aber das erhöht auch nur unseren emotionalen Zugang zu ihnen und nicht deren Qualität. An guten Tagen kommen maximal ein Schaub, ein Schwab und ein Dibon dem etwas näher, was ich als besonderen Spieler bezeichnen würde. Als Spieler, der in einem Match heraussticht aus dem österreichischen Kicker-Fehlpass-Einheitsbrei. Der Steffen erinnert an bessere Zeiten – ist aber halt leider auch nicht mehr der besondere Kicker, der er mal war. Aber er war in jedem Fall genau einer von der Sorte, die jetzt so schmerzlich fehlt. Und vermutlich wurde seine Einwechslung gestern auch deshalb so frenetisch gefeiert.

Und daher war ich plötzlich gar nicht mehr sooo bitter enttäuscht über ein ärmliches 0:0 daheim gegen die Admira. Denn unsere Mannschaft steht zu Recht auf Platz 5. Wir sind einfach sportlich derzeit nicht besser als die Admira, Ried oder Wolfsberg. Weil unser Kader nicht besser ist als ihrer. Unser Geschichte ist größer, unser Stadion mächtiger und moderner und unsere Fans sind lauter und mehr. Aber unser Team auf dem Rasen ist Durchschnitt.

Nun hat der Verein jetzt mal viel in Stadion und Infrastruktur investiert. Die Mannschaft blieb dabei vollends auf der Strecke. Wir haben eine Durchschnitts-Truppe mit 95% Durchschnitts-Kickern und wollten Meister werden. Aber wie sollte das mit einem Kader, der auch 1:1 so ein Admiraner oder Wolfsberger Kader sein könnte, funktionieren? Daher müssen wir diese Saison irgendwie mit Anstand zu Ende bringen. Und diesen Sommer einen sportlichen Neustart machen. Sonst bleiben wir Durchschnitt – und das wäre in der Tat mehr als bitter.

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